Der Fall U 110 - Kptlt. Fritz-Julius Lemp
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Bild oben: Kaperung von U 110
Anfang Mai 1941 standen einige Boote im Nordatlantik, um dort auftauchende Geleite aufzufangen, die Fühlung herzustellen und nach Heranführung weiterer Boote, anzugreifen. Dazu gehörten u. a. die Boote U 94, U 123, U 201, U 96, U 95, U 141, U 143, U 556 und U 110. Am Abend des 07. Mai meldete U 94 den südlich Island fahrenden Geleitzug OB 318. Dieser kam von Reykjavik/Island und wurde von der 7. Escort-Group mit den Zerstörern "HMS Westcott", "HMS Newmarket" und " HMS Campbeltown" gesichert. Im Verlauf der Nacht wurde diese Gruppe von der 3. Escort-Group mit den Zerstörern "HMS Bulldog", "HMS Amazon", "HMS Broadway" und dem Hilfskreuzer "HMS Ranpura" abgelöst. Von der 7. Escort-Group verblieben weiterhin als Sicherung am Geleit die Sloop "HMS Rochester" und die Korvetten "HMS Primrose, "HMS Nasturtium", "HMS Marigold", "HMS Dianthus" und "HMS Auricula". am 08. Mai stiießen als Ablösung dieser Korvetten weitere Einheiten der 3. Escort-Group zum Geleit: Korvetten "HMS Aubretia", "HMS Nigella", "HMS Hollyhock" sowie die Trawler "Angle", "St. Apollo" und "Daneman". Am Abend dieses Tages erhielt U 110 Fühlung mit dem Geleit und konnte am 9. Mai mittags zwei Schiffe versenken. U 110 wurde unmittelbar darauf mit Wasserbomben an die Wasseroberfläche gezwungen und unter heftiges Feuer genommen. U 110 ( Typ IX B ) wurde am 21. November 1940 unter dem Kommando von Kptlt. Fritz-Julius Lemp für die 2. U-Flottille in Dienst gestellt. Kptlt. Lemp war der Kommandant, der am 3. September 1939, also gleich nach Kriegsausbruch mit Großbritannien, den englischen Passagierdampfer "Athenia" (13581 BRT) versenkt hatte. An Bord befanden sich auch 311 amerikanische Staatsbürger. Von 1103 Passagieren plus 315 Mann Besatzung, fanden 112 den Tod. Lemp glaubten einen Truppentransporter vor sich zu haben, zumal die "Athenia" entgegen der allgemeinen Regeln abgeblendet und Zick-Zack-Kurse lief. Soweit hierzu. Ansonsten zählte Kptlt. Lemp durchaus auch zu den erfolgreichen Kommandanten. Auf sein Konto ging auch die Torpedierung des englischen Schlachtschiffes "HMS Barham" am 28. Dezember 1939, das für mehrere Monate ausfiel. Nachdem U 110 durch die Wasserbomben der Korvette "HMS Aubrietia und Zerstörer "HMS Bulldog" und "HMS Broadway" an die Wasseroberfläche gebombt worden war, wurde der Turm des Bootes sofort unter gezieltes Feuer genommen, man war der Meinung, auf U 110 sollten die Waffen besetzt werden. Der Beschuß kostete 14 Mann das Leben. Das Boot wurde von der Besatzung verlassen, die im Wasser schwimmenden Männer aufgefischt. Und dann geschah etwas Seltsames. Die Briten erkannten, daß das Boot nicht sank, bzw. daß das Absacken nur echt langsam vor sich ging. Folglich kam man auf die Idee, das U-Boot zu kapern und als Beute in einen eigenen Stützpunkt zu schleppen. Gleich nachdem dies Entschluß gefaßt war, wurde die mittlerweile aus dem Wasser gezogene Besatzung schleunigst unter Deck geführt, um so zu vermeiden, daß sie etwas von dem Vorhaben mitbekam. Bis auf einen Mann gelang das auch. Dieser eine war der Kommandant, der wohl erkannte, daß das >>Absaufen<< des Bootes nicht so schnell vornstatten ging wie erhofft. Er schwamm zum Boot zurück, wurde dabei erkannt, und unter Handfeuerwaffenfeuer genommen und - wie man heute wohl richtig annimmt - erschossen. Die Aufnahme (s.oben) zeigt das nicht mehr tauchfähige U 110. Die Besatzung wurde bereits aus dem Wasser gezogen. Rechts im Bild die "HMS Bulldog", bei dem gerade ein Beiboot mit dem Enterkommando zu Wasser gelassen wird zum Übersetzen auf das U-Boot. Die Aufnahme wurde von Bord der "HMS Aubrietia" gemacht. U 110 wurde vom Zerstörer "Bulldog" auf den Haken genommen, der Zerstörer "HMS Broadway" nahm beim späteren Manövrieren Schäden durch die Kollision mit dem Tiefenruder des Bootes. Der Schleppzug nahm Kurs auf Reykjavik, aber das Boot war schließlich doch nicht zu halten, und am 11. Mai versank es nach Kappen der Schleppverbindung endgültig in die Tiefe.
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| Diese Dechiffriermaschine (Bild re.) gehört mit zur Geschichte von U 110. Es ist eines der Schlüsselgeräte, genannt>>Enigma<<, die zum Chiffrieren und Dechiffrieren von Funksprüchen in der deutschen Wehrmacht benutzt wurden, wobei das bei der Kriegsmarine verwendete von denen des Heeres und der Luftwaffe im Detail abwich. Eines dieser frühen Exemplare gelangte auf mysteriöse Weise in den 30er Jahren in die Hände des polnischen Geheimdienstes und wurde nach Kriegsausbruch an die Briten weitergegeben. In Großbritannien etablierte sich - ähnlich dem>>Room 40<<des 1. Weltkrieges - eine aus Wissenschaftlern und Experten zusammengesetzte Gruppe, deren spezielle Aufgabe es für die Dauer des Zweiten Weltkrieges sein sollte, sich mit dieser Aufgabe, dem Knacken der deutschen Codes, zu befassen. Das war im August 1939. Standort Bletchly Park bei London. Von Beginn an waren die Briten darauf bedacht, weiteres Material zu erhalten, und das war nur mit viel Glück zu realisieren. Aber es gelang auf vielfältige Weise. | ![]() |
Da war die Aufbringung einzelner deutscher Wetterbeobachtungsschiffe (ehemalige für diesen Zweck umgebaute Fischtrawler wie "Krebs", "München", "August Wriedt" und "Lauenburg"), aber auch bei vereinzelten Raids gegen die norwegischen Küstenstriche. Und dann die Sache mit U 110. Daß der Kommandant versuchte, zum Boot zurückzuschwimmen, lag vermutlich darin begründet, daß er mit Schrecken erkannte, daß U 110 nicht schnell genug sank, und daß er im Vertrauen auf ein schnelles Sinken wohl eklatant gegen bestehende Weisungen verstoßen hatte, indem er nicht alles getan hatte, die Geheimunterlagen über Bord zu werfen bzw. zu vernichten. Das erkannten auch die Briten. So ging es ihnen wohl auch um die Kaperung des Bootes, doch was sie dann fanden, war weit wertvoller, nämlich die kompletten Schlüsselunterlagen einschließlich der>>Enigma<<. Diese Beute hat dann in Verbinduing mit den bereits zuvor gefundenen Unterlagen später der deutschen Marine großen Schaden zugefügt. So gelang es kurz darauf, mit Hilfe dieser ganzen Unterlagen alle Funksprüche zu entschlüsseln, und viele Schiffe und Boote wurden Opfer der eingeleiteten Gegenmaßnahmen auf seiten der Alliierten. So gelang es nach und nach, die gesamte Versorgunskette im Atlantik, die zur Unterstütztung der Unternehmung >>Rheinübung<< des Schlachtschiffes BISMARCK und des Schweren Kreuzers PRINZ EUGEN weit in den atlantischen Gewässern auf Position lag, aufzurollen. Dabei kam es - dies als Anmerkung - auch zu unschönen Begebenheiten; die beiden Tanker GEDANIA und LOTHRINGEN ergaben sich ohne Gegenmaßnahmen, der Kapitän der GEDANIA übergab nicht nur sein Schiff, sondern mit diesem auch alle Geheimunterlagen, einschließlich der Schlüsselmaschine. Im Anschluß daran ließ er sich Arm in Arm mit dem Gegner fotografieren - ein wohl einmaliger Vorgang. |
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